Villa Madrid in Cannes
Eine Familiengeschichte der Weisweiller, Ettling, Capron und Gans
Cannes um 1900
Um die Wende zum 20. Jahrhundert verbrachten wohlhabende Familien aus vielen Ländern die Wintermonate in Cannes. Villen und Gärten prägten die Stadt. Zu diesen Häusern gehörte die Villa Madrid. Für die Familie Gans verbindet sich ihr Name mit den Familien Weisweiller, Ettling und Capron.

Adela Weisweiller und die Villa Madrid
Adela, geborene Weisweiller, stammte aus einer jüdischen Bankiersfamilie mit Beziehungen nach Frankfurt, Madrid und Paris. Ihr erster Mann war David Guillaume (Guillermo) Ettling. Die Familienüberlieferung nennt beide als Bauherren der Villa Madrid. Das regionale Denkmalinventar datiert das Haus auf die Zeit um 1875. Ob und wann der Name „Villa Madrid“ erstmals verwendet wurde, ist mit den vorliegenden Unterlagen nicht sicher zu bestimmen.


Nach Ettlings Tod heiratete Adela in zweiter Ehe André Capron. Ein Bericht des Rothschild Archive nennt ausdrücklich „Adéla, née Weisweiller“ als Caprons Ehefrau und bezeichnet beide als Eigentümer der Villa im Jahr 1902. Capron wurde später Bürgermeister von Cannes.

Die Verbindung zur Familie Gans
Die Familie Gans hielt sich Ende des 19. Jahrhunderts ebenfalls in Cannes auf. Nach dem übermittelten Familienmanuskript nennt ein zeitgenössisches Verzeichnis „P. Gans de Fabrice“ als Bewohner der Villa Stella. Dieses Verzeichnis muss für eine genaue Datierung noch im Original geprüft werden. Die verwandtschaftliche Verbindung zu Adela Weisweiller führte die Familie zugleich zur Villa Madrid.
Joszi Paul André Gans und seine Geburtsurkunde
Die Familie nannte den Sohn Joszi Paul André Gans. Der hier gezeigte französische Geburtseintrag belegt seine Geburt am 1. März 1897 in Cannes; beurkundet wurde sie am folgenden Tag. André Robert Capron erscheint als erster Zeuge. Nach der Familienüberlieferung war er außerdem Joszis Taufpate. Die Urkunde selbst nennt weder einen Taufpaten noch die Villa Madrid als genaue Geburtsadresse; die Zuordnung zur Villa stammt aus der Familiengeschichte.

Das Haus und sein Garten
Das regionale Denkmalinventar beschreibt die Villa mit Garten, Nebengebäuden und einem kleinen Theater. Zwischen 1895 und 1929 war sie André Caprons Wohnsitz. Er ließ zwei Seitenflügel ergänzen und das Theater einrichten. Von 1900 bis 1914 war das Haus ein Ort gesellschaftlicher Veranstaltungen. Historische Aufnahmen der Villa selbst sind im Inventareintrag zu sehen.
Vom Familiensitz zum geteilten Anwesen
Ab 1930 wurde das Grundstück nach Angaben des Denkmalinventars parzelliert. Der Pavillon im Park wurde einem anderen Haus zugeschlagen; 1941 teilte man das Haupthaus in Wohnungen. Eine weitere Spur führt zu Klaus Mann: Die Monacensia bewahrt Rechnungen seines Aufenthalts im Pavillon Madrid von April bis Mai 1949 auf. Für die genaue bauliche Beziehung dieses Pavillons zum historischen Villenanwesen sind weitere Pläne nötig.
So verbinden Villa Madrid und Villa Stella Familiengeschichte, Stadtgeschichte und Archivfunde. Diese Seite kann mit weiteren Fotografien und Dokumenten ergänzt werden.