Personenporträt

Maximilian Freiherr von Fabrice (1845–1914)

Ein Leben zwischen Dresden, München und Gottlieben

Von Angela von Gans ·

Kurzüberblick

Wilhelm Friedrich Maximilian Freiherr von Fabrice wurde am 30.8.1845 in Dresden geboren und war der einzige Sohn meines Ur-Urgroßvater Oswald Freiherr von Fabrice.

Mein Urgroßvater Maximilian war Kammerherr des letzten Kurfürsten Friedrich Wilhelm I. von Hessen-Kassel. Dieser war der Halbbruder von Maximilians Mutter Helene. Deren Mutter wiederum war Emilie Gräfin von Reichenbach-Lessonitz, die zweite Frau des Kurfürsten Wilhelm II. von Hessen.

Kurfürst Friedrich Wilhelm I. von Hessen-Kassel, Halbbruder von Helene Gräfin Reichenbach-Lessonitz
Kurfürst Friedrich Wilhelm I. von Hessen-Kassel, Halbbruder von Helene Gräfin Reichenbach-LessonitzBildquelle im überlieferten Beitrag nicht angegeben

Mein Urgroßvater Maximilian war der letzte männliche Namensträger meiner Familienlinie.

Maximilian Freiherr von Fabrice in jungen Jahren. Gemalt von Ferdinand von Raisky
Maximilian Freiherr von Fabrice in jungen Jahren. Gemalt von Ferdinand von RaiskyBildquelle im überlieferten Beitrag nicht angegeben

Familie und Lebensweg

Maximilian wuchs in Dresden und auf Schloss Roggendorf bei Gadebusch in Mecklenburg auf.

Herrenhaus Roggendorf bei Gadebusch im alten Zustand
Herrenhaus Roggendorf bei Gadebusch im alten ZustandBildquelle im überlieferten Beitrag nicht angegeben

Im Jahre 1874 war sein Vater Oswald Freiherr von Fabrice als außerordentlicher Gesandter aus den Sächsischen Diensten nach München berufen worden. (Siehe auch den Beitrag in dieser website).

Im selben Jahr hatte Maximilian die ungarische Gräfin Ilma Almásy von Zsadany, geschiedene von Maltzahn, (siehe auch den Beitrag auf dieser website) geheiratet.

Wilhelm Friedrich Maximilian Freiherr von Fabrice *1845 + 1914 (Grabstelle Thurgauer Friedhof)
Wilhelm Friedrich Maximilian Freiherr von Fabrice *1845 + 1914 (Grabstelle Thurgauer Friedhof)Bildquelle im überlieferten Beitrag nicht angegeben
Ilma Gräfin Almásy von Zsadany und Török-Szent-Miklos *1842 Budapest + 1914 auf Schloss Gottlieben
Ilma Gräfin Almásy von Zsadany und Török-Szent-Miklos *1842 Budapest + 1914 auf Schloss GottliebenBildquelle im überlieferten Beitrag nicht angegeben

Deren erste Tochter Ellinka, meine Großmutter, kam 1875 in Marseille auf die Welt.

Durch den Umzug seiner Eltern nach München, scheint es nachvollziehbar, dass die nun kleine Familie die meiste Zeit hier in Bayern verbrachte.

Schloss Roggendorf wurde allerdings erst 1886 verkauft.

Orte und Verbindungen

In den unterschiedlichen Geburtsorten der fünf Töchter von Maximilian und Ilma, taucht bei zwei Töchtern (1877 und 1880) der Name Ziegelhaus bei Lindau auf. Nach längeren Recherchen konnte ich feststellen, dass damit die Villa Leuchtenberg am Seeufer des Bodensees bei Lindau gemeint ist. In Reutin, so heißt der Ort heute, steht ein Schlösschen, das einst für Prinzessin Théodolinde de Beauharnais, geborene Prinzessin von Leuchtenberg, spätere Gräfin von Württemberg, errichtet wurde.

Die Villa Leuchtenberg in Reutin am Bodensee bei Lindau (einst Ziegelhaus genannt)
Die Villa Leuchtenberg in Reutin am Bodensee bei Lindau (einst Ziegelhaus genannt)Bildquelle im überlieferten Beitrag nicht angegeben

Dazu hier eine kleine, interessante spätere Zusammenfügung dieser beiden Familien:

Theódolindes Tante Hortense, geborene de Beauharnais, lebte seit ca. 1817 auf dem gegenüber liegenden Ufer des Bodensees auf Schloß Arenenberg am Untersee.

Der Stiefsohn von Napoleon Bonaparte und Bruder von Hortense, Eugène, dem 1817 der Titel eines Herzog von Leuchtenberg verliehen wurde, hatte 1819 in unmittelbarer Nähe seiner Schwester Schloss Eugensberg erbauen lassen und nach seinem Vornamen benannt. Nach seinem Tod im Jahre 1824 wurde seine Tochter Eugénie Besitzerin des Schlosses.

1857 aber erwarb der Bruder von Helene von Fabrice nämlich Wilhelm Graf von Reichenbach-Lessonitz das Schloss Eugensberg für seine Frau Amélie.

Nun waren nicht nur die gesellschaftlichen Verzweigungen dieser Familien gestärkt. Maximilians (Fabrice) Mutter, Helene geb. Gräfin Reichenbach-Lessonitz war ja Wilhelms Schwester und somit war Wilhelm der Onkel von Maximilian. Da dieser schon 1865 verstorben war, konzentrierte sich der „neue“ Familienverband auf dessen Ehefrau Amélie in Eugensberg sowie deren einzige Tochter Pauline, spätere Prinzessin zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg.

Diese familiären und gesellschaftlichen Verbindungen führten somit dazu, dass Maximilian von Fabrice mit seiner Familie in das Schlösschen der Prinzessin von Leuchtenberg, die 1857 verstorben war, in Reutin später eingezogen ist. Das Schlösschen stand frei.

Bei den zahlreichen gegenseitigen Besuchen der Familien, kam die Sprache auch auf Schloss Gottlieben in der Nähe von Arenenberg und Eugensberg. Hortense hatte das Schloss ihrem Sohn, dem späteren Napoleon III, übergeben, wie wir unten lesen können.

Gottlieben

Es muß vor 1877 gewesen sein, dass bei einer Bodensee Schifffahrt meine Urgroßmutter Ilma das hübsche, aus den Erzählungen schon oft gepriesene Schloss Gottlieben endlich sah und ihrem Ehemann vorschwärmte, dass „sie dort gerne leben würde“. Inzwischen hatten sie vier Töchter, die fünfte Tochter kam 1881 schon in Gottlieben auf die Welt, und als 1883 die schwer reiche Tante Louise Gräfin Bose verstarb, fiel ein Pflichtteil an deren Neffen Maximilian. Ebenso deren Besitz in Baden-Baden.

„Tante Bose“ war eine kluge Frau, und wusste von den in Gelddingen leichtsinnigen Neffen Felix Graf Luckner (Der rote Graf“) und Maximilian Freiherr von Fabrice. Daher hatte sie beschlossen, ihr Vermögen in Stiftungen in Berlin Jena und Marburg (jeweils 800.00,00 an die Universitäten), sowie Stiftungen nach Kassel und Frankfurt (Senckenberg) einzubringen und den Neffen den Pflichteil, sowie jedem eines ihrer Güter zu vermachen. Die Zinsen der großen Stiftungen sollten allerdings an ihre Neffen fließen und zum Lebensunterhalt dienen.

Louise Grafin Bose, geborene Gräfin Reichenbach-Lessonitz, Tochter des Kurfürsten Wilhelm II. von Hessen, Mäzenatin und Kunstsammlerin 1813-1883
Louise Grafin Bose, geborene Gräfin Reichenbach-Lessonitz, Tochter des Kurfürsten Wilhelm II. von Hessen, Mäzenatin und Kunstsammlerin 1813-1883Bildquelle im überlieferten Beitrag nicht angegeben
Umschlag auf dem Buch: Louise als junges Mädchen, Gemälde: J.A. von der Embde, heute Neue Galerie Kassel.
Umschlag auf dem Buch: Louise als junges Mädchen, Gemälde: J.A. von der Embde, heute Neue Galerie Kassel.Bildquelle im überlieferten Beitrag nicht angegeben

Als nun Schloss Roggendorf und der Besitz in Baden-Baden verkauft wurden, konnte Maximilian mit seiner Frau und den fünf Töchtern das geschichtsträchtige Schloss Gottlieben am Untersee in finanzieller Sicherheit beleben.

Ex Libris von Maximilian Freiherr von Fabrice, Ansicht der Burg Gottlieben
Ex Libris von Maximilian Freiherr von Fabrice, Ansicht der Burg GottliebenBildquelle im überlieferten Beitrag nicht angegeben
aus der Burg wurde ein Palazzo – der später Napoleon III. ließ es umbauen
aus der Burg wurde ein Palazzo – der später Napoleon III. ließ es umbauenBildquelle im überlieferten Beitrag nicht angegeben

Schloss Gottlieben

Aquarell Schloss Gottlieben aus der Zeit der Familie Max v. Fabrice
Aquarell Schloss Gottlieben aus der Zeit der Familie Max v. FabriceBildquelle im überlieferten Beitrag nicht angegeben
Die Türme des Schlosses Gottlieben, Gefängnis von Jan Hus bis zu seiner Verbrennung in Konstanz
Die Türme des Schlosses Gottlieben, Gefängnis von Jan Hus bis zu seiner Verbrennung in KonstanzBildquelle im überlieferten Beitrag nicht angegeben

Die wunderschöne Burg Gottlieben errang Berühmtheit durch die Tatsache, dass sie während des Konstanzer Konzils (1414-1418) als Gefängnis für den Reformator Johannes Hus (1373-1415) diente, der dort „Tag und Nacht in Ketten lag“.

Turm in dem Jan Hus festgehalten wurde – vom Park aus gesehen
Turm in dem Jan Hus festgehalten wurde – vom Park aus gesehenBildquelle: Archiv AvG
Der Verschlag im Turm, in dem Jan Hus gefangen gehalten wurde
Der Verschlag im Turm, in dem Jan Hus gefangen gehalten wurdeBildquelle: Stadt-Archiv Konstanz

Die Geschichte des Schlosses ist absolut erwähnenswert:

1837 kaufte Exkönig Jêrome von Westfalen (1784-1860), der Bruder Napoleons, das Schloss, konnte es aber nicht halten. So fiel es an seine Schwägerin Königin Hortense (geb. Beauharnais) von Holland, Stieftochter Napoleons, die mit dem weiteren Bruder Napoleons, Louis Bonaparte, König von Holland, verheiratet war und auf Schloss Arenenberg lebte.

Ihr einziger überlebender Sohn, Prinz Louis Napoleon III. (1808-1873), Neffe Napoleons und seit 1852 Kaiser der Franzosen, zog daraufhin in Gottlieben ein und baute das Schloss zu einem italienischen Palazzo um. Nachdem er nach zwei Putschversuchen 1840 in Festungshaft kam, verkaufte er 1842 das Schloss an den Grafen Berolingen, der einen großen Park anlegen ließ. Möglicherweise benutzte Napoleon III. den Verkaufserlös, um sich auf seine Flucht 1848 nach London vorzubereiten und durchzuführen.

Graf Berolingen trennte sich 1877 von Gottlieben und das Schloss kam später in den Besitz von Maximilian von Fabrice.

1881 wurde die jüngste Tochter von Maximilian und Ilma von Fabrice, Agnes, vermählt 1902 mit Walter von Stockar-Scherer-Castell, bereits in Gottlieben geboren. Später lebten Agnes und Walter in dessen Schloss Castell oberhalb des Dorfes Gottlieben in Sichtweite der Eltern.

Das kleine Fischerdorf Gottlieben hatte sich zu einer Künstlerkolonie gemausert, im Salon der Baronin van Zuylen ging eine illustre Gästeschar ein-und aus. Die jungen Töchter von Maximilian waren begeistert, als ihr Vater berühmte Maler und Schriftsteller ins Schloss einlud. Olaf Gulbranson, wie Herrmann Hesse, Rainer Maria Rilke und Emanuel von Bodman waren häufige Gäste.

Familie und künstlerisches Umfeld

Eine Olaf Gulbranson Zeichnung von Max v. Fabrice, sowie Fotos, die auf Schloss Gottlieben beim Besuch Gulbranson`s aufgenommen wurden
Eine Olaf Gulbranson Zeichnung von Max v. Fabrice, sowie Fotos, die auf Schloss Gottlieben beim Besuch Gulbranson`s aufgenommen wurdenBildquelle: Archiv AvG

Es lag nahe, dass die Fabrice-Mädchen zumindest in erster Ehe in dieses Umfeld einheirateten. Die zweit älteste Tochter Luigina entschied sich für den Maler Walter Sturtzkopf, Ilma heiratete den Maler und Fotografen Carl Halm-Nicolai und Blanche den berühmten Schriftsteller Emanuel von Bodmann.

von links sitzend: Ellinka, Mutter Ilma, von links stehend: Goldi, Blanche, Vatter Max, Luigina und Ilma
von links sitzend: Ellinka, Mutter Ilma, von links stehend: Goldi, Blanche, Vatter Max, Luigina und IlmaBildquelle im überlieferten Beitrag nicht angegeben

Meine Großmutter Ellinka, die Erstgeborene, hatte hingegen in Südfrankreich Dr. Paul Gans kennen- und lieben gelernt. Sie erhalten einen eigenen Beitrag in dieser website.

Anscheinend war meine Urgroßmutter Ilma durch diese Künstler angeregt, auch selbst zu dichten und zu schreiben.

Hier der erste Teil eines kleinen Gedichtes aus der Fülle ihrer Werke:

Wenn der Lenz uns lacht
In seiner ganzen Pracht
Und die Lieb´erwacht, ganz leise, still und sacht
Beginnt das Leben

Ihrer beider Leben, das von Ilma und Max, erlosch 1914.

Sie sind auf dem Tägerwillen Friedhof bei Gottlieben bestattet.

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